Azubis finden im Oberbergischen Kreis: 9 Wege für Handwerksbetriebe

Von Daniel Seibel, BRANDRAUM · Stand: ·8 Min. Lesezeit

Die Lage in Oberberg: genug Bewerber, trotzdem freie Plätze

Laut der Bilanz der Ausbildungsinitiative Oberberg zum Ausbildungsjahr 2024/25 boten die oberbergischen Unternehmen 1.530 Ausbildungs- und Studienplätze an – 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Bis Ende September 2025 waren trotzdem noch 240 Plätze unbesetzt. Rein rechnerisch kamen dabei auf 100 freie Stellen 115 suchende Bewerberinnen und Bewerber.

Gleichzeitig ist der Bedarf im Handwerk groß: Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, sagte bei der Vorstellung der Bilanz, das Handwerk brauche „ein deutliches Plus von etwa 20 Prozent mehr Auszubildenden“, um den Fachkräftebedarf der Betriebe in den nächsten Jahren zu decken.

Die Zahlen zeigen: Es fehlt nicht nur an Bewerbern. Oft passen Angebot und Nachfrage nicht zusammen – beim Beruf, beim Ort oder schlicht, weil Jugendliche den Betrieb gar nicht kennen. Genau dort können Handwerksbetriebe ansetzen.

Wo Jugendliche heute nach Ausbildungsplätzen suchen

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der Bertelsmann Stiftung zeigt, wie groß die Lücke zwischen Betrieben und Jugendlichen in den sozialen Medien ist. Danach nutzen bereits sechs von zehn Jugendlichen und Unternehmen Social Media für die Ausbildungsplatzsuche – aber oft auf unterschiedlichen Plattformen:

  • TikTok: Fast ein Drittel der Jugendlichen sucht hier nach Ausbildungsangeboten, aber nur 4 Prozent der Unternehmen nutzen den Kanal.
  • YouTube: Fast die Hälfte der Jugendlichen sucht dort, aber nur 18 Prozent der Unternehmen sind aktiv.
  • Facebook: Über 70 Prozent der Firmen informieren dort über Ausbildungsstellen, aber nur 25 Prozent der Jugendlichen nutzen Facebook dafür.

Für Betriebe heißt das: Wer nur auf Facebook postet, erreicht vor allem Eltern und Großeltern. Das ist nicht falsch – Eltern beeinflussen die Berufswahl stark –, aber die Jugendlichen selbst erreicht man eher auf Instagram, TikTok und YouTube.

9 Wege, wie Handwerksbetriebe in Oberberg Azubis finden

1. Eine eigene Karriereseite mit echten Einblicken

Jugendliche und Eltern schauen sich den Betrieb fast immer online an, bevor sie sich melden. Eine eigene Seite „Ausbildung“ auf Ihrer Website sollte beantworten: Welche Berufe bilden Sie aus? Wie sieht ein typischer Tag aus? Was verdient man in der Ausbildung? Wer ist Ansprechpartner? Echte Fotos vom Team und von Baustellen wirken deutlich besser als Stockfotos.

2. Instagram und TikTok statt nur Facebook

Kurze Videos aus dem Arbeitsalltag – ein Azubi zeigt sein Werkzeug, ein Vorher-Nachher auf der Baustelle, die Mittagspause im Team – sind für Jugendliche greifbarer als jede Stellenanzeige. Wichtig ist Regelmäßigkeit, nicht Perfektion. Handyvideos reichen völlig aus.

3. Gezielte Anzeigen im Umkreis

Organische Beiträge erreichen oft nur die eigenen Follower. Mit bezahlten Anzeigen auf Instagram, Facebook oder TikTok lassen sich Jugendliche im Umkreis Ihres Betriebs gezielt ansprechen – zum Beispiel rund um Waldbröl, Wiehl, Gummersbach oder Reichshof. Für Stellenanzeigen gelten auf den Plattformen teils besondere Regeln beim Targeting; das sollte man bei der Einrichtung prüfen.

4. Bewerbung ohne Lebenslauf

Viele Jugendliche scheitern nicht am Interesse, sondern am Anschreiben. Eine Kurzbewerbung mit wenigen Fragen, die sich in unter einer Minute am Handy ausfüllen lässt, senkt die Hürde deutlich. Den Lebenslauf kann man später im persönlichen Gespräch klären.

5. Praktika als Türöffner

Schülerpraktika, Ferienjobs und Probearbeitstage sind im Handwerk einer der wirksamsten Wege. Wer einmal eine Woche im Betrieb war, kennt das Team – und das Team kennt ihn. Bieten Sie Praktika aktiv an, auch auf Ihrer Website und in Ihren Social-Media-Kanälen.

6. Kontakt zu Schulen in der Region

Berufsorientierung findet in den Schulen statt. Kontakte zu Haupt-, Real-, Gesamt- und Sekundarschulen in Ihrer Umgebung, Besuche im Unterricht oder eine Betriebsführung für eine Klasse schaffen Bekanntheit dort, wo die Entscheidung vorbereitet wird. Auch regionale Ausbildungsmessen bieten sich an.

7. Kostenlose Kanäle der Arbeitsagentur nutzen

Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit ist für Arbeitgeber gebührenfrei. Ausbildungsstellen sollten dort immer gemeldet sein – viele Jugendliche werden über die Berufsberatung auf offene Stellen aufmerksam gemacht.

8. Die eigenen Azubis als Botschafter

Nichts überzeugt Jugendliche so sehr wie Gleichaltrige. Lassen Sie Ihre aktuellen Azubis erzählen, warum sie sich für Ihren Betrieb entschieden haben – im Video, auf der Website oder direkt an Schulen. Eine kleine Prämie für erfolgreiche Empfehlungen kann zusätzlich helfen.

9. Schnell antworten

Wer sich bewirbt, bewirbt sich meist bei mehreren Betrieben gleichzeitig. Melden Sie sich innerhalb von ein bis zwei Tagen – am besten telefonisch oder per WhatsApp. Ein Betrieb, der nach drei Wochen antwortet, hat den Bewerber oft schon verloren.

Ländlicher Raum: Mobilität mitdenken

Im Oberbergischen Kreis sind Wege oft weit und Busverbindungen nicht immer ideal. Für viele Jugendliche ist das ein echtes Hindernis. Betriebe können hier punkten: mit Hinweisen zur Anbindung auf der Karriereseite, Mitfahrgelegenheiten mit Kollegen, flexiblen Anfangszeiten oder einem Zuschuss zum Führerschein. Solche Vorteile gehören sichtbar in jede Ausbildungsanzeige.

Fazit: Sichtbar sein, wo Jugendliche suchen

Freie Ausbildungsplätze im Handwerk sind in Oberberg selten ein reines Zahlenproblem. Entscheidend ist, dass Jugendliche Ihren Betrieb überhaupt kennen und der Weg zur Bewerbung einfach ist. Eine gute Karriereseite, regelmäßige Einblicke auf Instagram oder TikTok, eine Kurzbewerbung am Handy und eine schnelle Rückmeldung bringen oft mehr als jede weitere Anzeige in einer Stellenbörse.

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Häufige Fragen

Wie viele Ausbildungsplätze bleiben im Oberbergischen Kreis unbesetzt?

Laut Bilanz der Ausbildungsinitiative Oberberg waren Ende September 2025 noch 240 von 1.530 gemeldeten Ausbildungs- und Studienplätzen unbesetzt. Rechnerisch kamen dabei 115 Bewerber auf 100 freie Stellen.

Auf welchen Plattformen suchen Jugendliche nach einer Ausbildung?

Laut einer Studie von IW und Bertelsmann Stiftung nutzen rund sechs von zehn Jugendlichen Social Media für die Ausbildungssuche. Fast die Hälfte sucht auf YouTube und fast ein Drittel auf TikTok, während Facebook nur von 25 Prozent der Jugendlichen dafür genutzt wird.

Brauchen Azubi-Bewerber einen Lebenslauf?

Nicht zwingend im ersten Schritt. Eine Kurzbewerbung mit wenigen Fragen am Smartphone senkt die Hürde deutlich. Lebenslauf und Zeugnisse können später im persönlichen Gespräch nachgereicht werden.

Ist die Jobbörse der Arbeitsagentur kostenlos?

Ja. Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit ist für Arbeitgeber gebührenfrei. Ausbildungsstellen sollten dort grundsätzlich gemeldet werden.

Quellen

  1. Ausbildungsinitiative Oberberg / Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach: Bilanz Ausbildungsmarkt Oberberg 2024/25 (06.11.2025)
  2. RKW Kompetenzzentrum: Wie Unternehmen und Jugendliche sich über Social Media suchen, finden – und verfehlen (Studie IW / Bertelsmann Stiftung)
  3. Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (Kostenfreiheit für Arbeitgeber, Übersicht jobjump)

Alle Zahlen und Preise mit Stand der jeweiligen Quelle. Preise können sich ändern.

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